Sieben Damen und Herren des BSV-MV sitzen in zwei Reihen neben einander in einem Ausstellungssaal des Staatlichen Museums Schwerin. Die Kamera ist dicht an den Personen dran. Einige wenige Gemälde sind hinter ihnen an den Wänden zu erkennen. Drei Frauen in der ersten Reihe amüsieren sich köstlich. Zwei von ihnen halten jeweils ein Klemmbrett. Darauf ein Blatt Schwellpapier, auf das erhaben ein Bilddetail des Gemäldeführers aufgebracht ist. Sie ertasten auf dem Gemälde Der Geograf die Fellkappe des Gelehrten, die auf dem Kopf zu schweben scheint. Ein Versehen des Malers oder wurde die Kopfbedeckung nachträglich aufgebracht, um die hohe Stirn des Gelehrten zu bedecken? Das wird kaum zu klären sein, lustig ist es allemal. So geht für die Gruppe ein Museumsbesuch zu Ende. Ein Erlebnis, das es ihnen ermöglichte, wie andere Menschen auch ein Museum zu entdecken, die Luft der Ausstellungsräume zu riechen und durch eine sachkundige Führung Wissenswertes über Malerei zu erfahren.

Museum für alle

Jeder Mensch hat das Recht, am kulturellen Leben der Gemeinschaft teilzunehmen, sich der Künste zu erfreuen und am wissenschaftlichen Fortschritt und dessen Wohltaten teilzuhaben." Auf dieses individuelle Grund- und Freiheitsrecht einigte sich die Völkergemeinschaft 1948 im Rahmen der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen.

Mehr als fünfzig Jahre später ist ein erfreulicher Besuch im Museum für viele Menschen keine Selbstverständlichkeit. Noch immer stoßen zum Beispiel Menschen mit Behinderungen auf zahlreiche große und kleine Hindernisse, wenn sie ihr Recht auf kulturelle Teilhabe einlösen wollen.

Mittlerweile gibt es viele Anstrengungen, dies zu ändern.

Andere Formen der Raumgestaltung werden genutzt, verschiedene Medien transportieren Erklärungen und neue Systeme geben Orientierung. Auf die individuellen Bedürfnisse der Besucher versucht man einzugehen, stets mit dem Ziel, Inhalte besser vermitteln zu können. Nun sind Museen keine Hörsäle und was uns anzieht keine Lehrbücher. Der Genuss ist es und das Erleben neuer Eindrücke, die das Museum der heutigen Zeit ausmachen. Diese Gefühle auch bei Menschen mit Behinderung auszulösen, ist eine eigene Kunst. 

Kunstvoll widmet sich der Museumsführer "Das Goldene Zeitalter" daher allen Sinnen und entführt sehende, sehbehinderte und blinde Menschen gleichermaßen in die Welt der niederländischen Malerei. Er möchte die Besucher des Staatlichen Museums Schwerin, aber auch alle anderen Nutzer vor den Werken der holländischen Meister versammeln und zu einer gemeinsamen Erkundung einladen. Die Autoren und Gestalter des Buches hoffen, damit ein Beispiel für viele andere Projekte zu geben, die allen den gemeinsamen Genuss und die Freude an Kunst und Wissenschaft ermöglichen.

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